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Chemische Prozesse bei der
Verwitterung
Inhaltsverzeichnis
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erkannten russische
Forscher unter der Leitung von Dokutschajew, daß die Bodeneigenschaften
von unterschiedlichen Faktoren abhängen. So wurden die Zusammenhänge
in folgender Formel zusammengefaßt:
B = f (kl, a, r, v, o, m)t
Die Bodeneigenschaft B ist also abhängig von den bodenbildenden
Faktoren Klima (kl), Ausgangsgestein (a), Relief (r), Vegetation (v),
Bodenorganismen (o) und antropogenen Faktoren (m) im zeitlichen Ablauf (t) (nach
ROWELL, 1997, 1).
Chemische Abläufe sind prägend für die Entwicklung eines
Bodengefüges. Das wichtigste Agens für Reaktionen im Boden ist
unbestritten das Wasser, da es in all seinen Aggregatzuständen nahezu in
der ganzen Welt anzutreffen ist. Seine Dipol- und anderen spezifischen
Eigenschaften macht es zu einem unentbehrlichen Bestandteil für das Leben
auf der Erde.
Neben der physikalischen Verwitterung, die das Ausgangsgestein in kleinere
Teile zerlegt, liefert die chemische eine stoffliche Veränderung. So wird
durch die Zerkleinerung der Minerale auch eine Vergrößerung der
Oberfläche erreicht, welche wiederum eine erhöhte
Reaktionshäufigkeit zur Folge hat. Die chemischen Prozesse sind sehr stark
vom Klima, insbesondere von der Temperatur und dem Wasservorkommen
abhängig. So kann diese Verwitterungsart tendenziell in den kalten Zonen
der Erde vernachlässigt werden während sie in den feuchten Tropen den
wesentlichen Bestandteil bei der Bodenbildung darstellt.
Aufgrund der Dipoleigenschaft des Wassers lagern sich die
Wassermoleküle mit ihren entgegengesetzt geladenen Enden an die Ionen der
Oberfläche (Adsorption) an. Dieses schwächt infolge elektrostatischer
Abstoßung zwischen den näherliegenden Polen der adsorbierten
Wassermoleküle und den gleichgeladenen Nachbarionen die Gitterkräfte
(Coulomb´sche Kräfte) in der Oberflächenschicht. Nun können
sich infolge der Wärmebewegung Ionen von der Oberfläche lösen. In
der Grenzschicht werden die abgelösten Ionen sofort allseitig von
Wassermolekülen umlagert. Man nennt diesen Vorgang Hydratation. Abbildung 1
verdeutlicht die chemischen Vorgänge. “Auf diese Weise verwittern die
meisten Alkali- und Erdalkalichloride, -sulfate und –nitrate, deren
Löslichkeit mit einigen 100 g/l sehr hoch ist” (SCHEFFER, 1992, 13).
Langsamer dagegen verwittert beispielsweise Gips
(CaSO4·2H2O), da hier die Ionenbindung stärker
ist (siehe auch Tab.1). Von der Hydratation werden in der Regel Salze
erfaßt (aufgrund der Ionenbindung). So auch in Wasser gelöstes
Calciumcarbonat, welches in Abwesenheit von Kohlendioxid eine leichte alkalische
Reaktion hervorruft[1]:
CaCO3 + 2H2O
Ca(OH)2 + H2CO3
Das so entstandene Calciumhydroxid ist sehr stark dissoziiert, während
die Kohlensäure nur gering gelöst wird. Somit überwiegt der
Basenanteil und die Lösung reagiert alkalisch.
Als Vertreter der durch Hydratation verursachten Löslichkeitsreihen
seien angeführt (Tab.1):
Tab.1: Löslichkeitswerte in mol/l von einige Salzen
(vgl. JANDER, 1989, 34)
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