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Die Hydrolyse ist eine der wichtigsten Verwitterungsarten. Bei ihr sind
Hydronium- und Hydroxoniumionen (OH– und
H3O+) die Reaktionsträger. Diese aggressiven Base-
bzw. Säureionen vermögen einen Stoff in seiner chemischen
Zusammensetzung stark zu verändern. Die Hydrolyse ist vorwiegend von der
Oberflächengegebenheit des Bodens, dem pH-Wert, der Wassermenge und der
Temperatur abhängig (vgl. FITZPATRICK,1980, 60).
4. Hydrolyse von Carbonaten
Eine besondere Bedeutung hat die Hydrolyse für die Carbonatgesteine,
wie Kalkstein, CaCO3, Dolomit, CaMg(CO3)2 und
Mergel, von denen Kalkstein am schnellsten verwittert. “Zwar beträgt
seine Löslichkeit in reinem Wasser nur 0,013 g/l (bei 15°C), doch
kommt bei der Kalksteinverwitterung der Kohlensäure eine beachtliche
lösungfördernde Wirkung zu” (MüLLER, 1979, 138). In den
meisten Fällen ist die durch einen hohen CO2-Gehalt in der Luft
entstandene Kohlensäure (Bildung: CO2(g)+H2O
CO2(aq)+H2O
H2CO3
H++HCO–
2H++HCO2– )
an dieser Reaktion beteiligt. In unserem Klima mit durchschnittlichen
Niederschlägen verwittert von der Oberfläche des Kalksteins
jährlich etwa 0,01mm (vgl. MüCKENHAUSEN, 1985, 86). So wird
beispielsweise das schwer wasserlösliche Calciumcarbonat zersetzt, dessen
Löslichkeitsprodukt[2] mit dem
pKL-Wert[3] 7,92 angegeben
wird:
CaCO3 + 2H2CO3
→ Ca(HCO3)2 +
H2O + CO2
Das so entstandene Calciumhydrogencarbonat (oder älter auch
Calciumbicarbonat, pKL= –0,27) ist leicht wasserlöslich.
Kohlendioxid wird bei dieser Reaktion frei gesetzt. Es entweicht oder verbindet
sich mit dem Bodenwasser erneut zu Kohlensäure, welche weitere
Hydrolysereaktionen einleitet.
“Im Gegensatz zu vielen anderen verwitternden Mineralen steigt die
Löslichkeit der Carbonate außerdem mit abnehmender Temperatur, weil
in gleicher Richtung die Löslichkeit des Kohlendioxids in Wasser
zunimmt” (SCHEFFER, 1992, 14). Die Hydrolyse von Carbonaten ist demnach
dem allgemeinen Trend, mit einer Erhöhung der Temperatur steige auch die
Reaktionsgeschwindigkeit
(RGT-Regel[4])
entgegengesetzt.
Jedoch vermögen auch andere im Boden entstandene oder aus dem
Regenwasser zugeführte Säuren (siehe auch: 3. Oxidation) die
Umwandlung zu Calciumhydrogencarbonat bewirken. Durch einen erhöhten
Schwefeldioxid- und Stickoxidausstoß aus Verbrennungsprozessen steigt in
Regionen hohen Verkehrsaufkommen und starker Industriebesiedelung die
Konzentration dieser Gase an. Jene werden in der Atmosphäre oxidiert und
bilden mit Wasser Schwefelsäure, schweflige Säure und
Salpetersäure:
SO2 + H2O + ½O2
H2SO4
SO2 + H2O
H2SO3
2NO2 + H2O + ½O2
2HNO3
Diese Säuren sind weitaus stabiler und stärker als die im
klassischen Sinn für die Hydrolyse verantwortliche Kohlensäure. Die
schon weitestgehend besprochenen Auswirkungen des sauren Regens machen deutlich,
daß hier eine Zersetzung des Kalkgesteins erheblich schneller
vorangetrieben wird.
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